Grundlagen

Strokes Gained — was die Zahl wirklich sagt

Eine 88 sagt dir, dass die Runde nicht gut war. Sie sagt dir nicht, woran es lag. Genau diese Lücke schließt Strokes Gained — die Kennzahl, mit der die PGA Tour seit 2011 rechnet.

Das Problem mit dem Schlägezählen

Zwei Spieler brauchen fünf Schläge für ein Par 4. Der eine drischt den Drive ins Rough, rettet sich aufs Grün und drei-puttet. Der andere trifft Fairway und Grün und braucht drei Putts aus 15 Metern. Auf der Scorecard steht zweimal dieselbe Zahl — gespielt haben sie zwei völlig verschiedene Löcher.

Herkömmliche Statistiken helfen da nur begrenzt. „Fairways getroffen" sagt nichts darüber, ob der Drive 220 oder 260 Meter weit war. „Putts pro Runde" belohnt ausgerechnet den Spieler, der nie das Grün trifft und dann einen Putt spart, weil er ohnehin schon gechippt hat. Wer sein Spiel nach diesen Zahlen steuert, übt leicht das Falsche.

Die Idee dahinter: Wie viele Schläge kostet diese Position?

Strokes Gained dreht die Frage um. Statt Schläge zu zählen, misst es Positionen. Für jede Lage auf dem Platz — Distanz zur Fahne plus Untergrund — gibt es einen Erfahrungswert, wie viele Schläge ein bestimmter Spielertyp im Schnitt von dort bis ins Loch braucht. Diese Werte nennt man Baseline.

Ein paar gerundete Beispiele für einen Tour-Profi:

Damit lässt sich jeder einzelne Schlag bewerten. Die Formel ist simpel:

Baseline vorher − Baseline nachher − 1 = Strokes Gained

Anders gesagt: Um wie viel besser ist meine Lage jetzt, gemessen daran, dass mich der Schlag selbst einen Schlag gekostet hat. Ein positiver Wert heißt, du hast gegenüber dem Referenzspieler gewonnen. Ein negativer, du hast verloren.

Ein Beispiel, Schlag für Schlag

Annäherung: 150 m Fairway → 6 m aufs Grün 3,0 − 1,8 − 1 = +0,2
Erster Putt: 6 m → 1 m 1,8 − 1,0 − 1 = −0,2
Zweiter Putt: 1 m → eingelocht 1,0 − 0 − 1 = 0,0
Summe der drei Schläge 0,0

Die Annäherung war leicht überdurchschnittlich, der erste Putt blieb einen Tick zurück, der kurze Putt war Pflicht. Unterm Strich ein neutrales Loch — obwohl auf der Scorecard nur „3 Schläge auf dem Grün-Weg" steht.

Der entscheidende Punkt: Die Zahlen lassen sich über eine ganze Runde und über viele Runden aufsummieren. Und weil jeder Schlag einer Kategorie zugeordnet ist, siehst du am Ende nicht nur, dass du sechs Schläge über dem Maßstab lagst, sondern wo.

Die vier Bereiche

AbschlagAlle Schläge vom Tee auf Par 4 und Par 5. Länge und Genauigkeit werden gemeinsam bewertet — ein kurzer Drive auf dem Fairway kann schlechter sein als ein langer im leichten Rough.
AnnäherungJeder Schlag von weiter als 30 Metern, der nicht vom Tee kommt. Für die meisten Amateure der größte Hebel.
Kurzes SpielAlles innerhalb von 30 Metern außerhalb des Grüns — Chips, Pitches, Bunkerschläge.
PuttenJeder Schlag auf dem Grün, bewertet nach Entfernung zum Loch.

Warum der Maßstab alles verändert

Auswahl des Vergleichs-Niveaus von PGA Tour bis Handicap 18
Vier Maßstäbe zur Auswahl — dieselben Runden, unterschiedliche Aussage.

Strokes Gained ist immer ein Vergleich — und die Frage ist, womit. Gegen die PGA Tour verliert ein Spieler mit Handicap 10 in jedem einzelnen Bereich. Das ist wenig hilfreich: Es sagt dir nur, dass du kein Profi bist.

Interessant wird es, wenn der Maßstab zu dir passt. Gegen einen Spieler mit Handicap 9 zeigen sich plötzlich echte Stärken und Schwächen — vielleicht puttest du überdurchschnittlich, verlierst aber jede Runde zwei Schläge mit der Annäherung. Das ist eine Information, mit der man ins Training gehen kann.

Deshalb ist die Baseline in Strokes nicht fest, sondern wählbar: PGA Tour, Scratch, Handicap 9 oder Handicap 18. Derselbe Datensatz, vier Blickwinkel.

Was die meisten Amateure überschätzen

Strokes-Gained-Auswertung mit den vier Bereichen und ihren Werten
Ein Wert je Bereich — hier kostet die Annäherung mit −2,44 am meisten, nicht das Putten.

Die Kennzahl geht auf Mark Broadie zurück, Professor an der Columbia University, der sie in seinem Buch Every Shot Counts populär gemacht hat. Eine seiner robustesten Erkenntnisse widerspricht dem Bauchgefühl fast aller Freizeitgolfer: Das lange Spiel entscheidet deutlich mehr über den Score als das Putten.

Nach einer schlechten Runde bleiben die verpassten kurzen Putts im Gedächtnis — sie sind emotional, sie passieren zum Schluss, sie fühlen sich vermeidbar an. Die drei Annäherungen, die 20 Meter zu kurz waren, erinnert am Abend niemand mehr. Genau deshalb üben so viele Golfer über Jahre den Bereich, der ihnen am wenigsten bringt.

Strokes Gained korrigiert das, weil es nicht fragt, was sich schlimm angefühlt hat, sondern was tatsächlich Schläge gekostet hat.

Was du brauchst, um es zu messen

Schlageingabe mit Distanz zur Fahne und Auswahl der Lage
Zwei Angaben pro Schlag: Distanz und Lage. Den Rest rechnet die App.

Für die vollständige Rechnung braucht es pro Schlag zwei Angaben: Distanz zur Fahne und Lage. Das klingt nach Aufwand, ist aber in der Praxis ein bis zwei Tipps pro Schlag — die Baselines und die gesamte Rechnerei übernimmt die App.

Wer klein anfangen will, kommt auch mit Score, Putts, Fairway und Grün pro Loch weit. Die Strokes-Gained-Aufschlüsselung in vier Bereiche braucht allerdings die Schlagdaten — anders lässt sich nicht zuordnen, wo ein Schlag verloren ging.

Sieh es an deinen eigenen Runden

Strokes rechnet jeden Schlag gegen die Baseline deiner Wahl — und sagt dir nach der Runde in einem Satz, wo dein größter Hebel liegt. Fünf Runden sind gratis.

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